Die 11 größten Irrtümer über das Schwimmenlernen

alle, Schwimmen lernen, Wassergewöhnung, Wassersicherheit

Irrtum Nr. 1:

Schwimmenlernen heißt: Brustschwimmen lernen!

Weißt du eigentlich, dass das Brustschwimmen die koordinativ und technisch anspruchsvollste Schwimmtechnik ist?

Ich frage mich schon lange, warum Kinder zu Beginn ausgerechnet die schwierigste Schwimmtechnik erlernen sollen. Du auch?

Und doch hat es in Deutschland eine lange Tradition, Brustschwimmen als erste Schwimmtechnik zu unterrichten.

Das ist nicht überall so. In Australien und den USA wird schon seit jeher mit Kraul- und auch Rückenschwimmen begonnen (übrigens, welche Nationen gehören nochmal zu den erfolgreichsten im Schwimmsport? Du ahnst es schon: Australien und die USA). 

Die Frage nach der geeigneten Anfangsschwimmart wird in Deutschland durchaus unterschiedlich diskutiert.

Der Deutsche Schwimmverband weist darauf hin, dass aus der Perspektive des Kindes betrachtet eine “individuelle Bewegungslösung” stehen muss. (3)

Viele Schwimmvereine und Schwimmschulen stellen sich diese Fragen überhaupt nicht.

Sie unterrichten das Brustschwimmen mit Kopf über Wasser, weil sie das schon immer so gemacht haben und weil die Eltern sich das so wünschen.

Diese haben es ja selbst vor vielen Jahren so gelernt und beherrschen die schwierigen Bewegungsabläufe mehr oder weniger korrekt.

Dem Brustschwimmen gegenüber stehen Kraul- und Rückenkraul. Dies sind sogenannte Wechselschwimmarten mit kreuz-koordinierten Bewegungen.

Sie entsprechen viel eher unseren natürlichen Bewegungsmustern und sind deshalb wesentlich leichter zu erlernen.

Zugegeben, das klingt jetzt erstmal etwas kompliziert. Aber denk mal ans Krabbeln, Gehen, Treppensteigen oder Fahrradfahren. Sicher kennst du auch das “Hundepaddeln” bei kleinen Kindern.

All diese Bewegungen stecken von Geburt an in uns, ohne dass wir darin unterrichtet worden wären. 

Auf der anderen Seite ist der korrekt ausgeführte Brustbeinschlag mit der synchronen Bewegung und besonderen Fußstellung für viele Kinder schwer zu lernen.

Einmal falsch eingeprägt, ist er später nur mit großer Mühe zu korrigieren. Viele halten das falsche Bewegungsmuster ein Leben lang bei.

Für Kinder kann die Bewegung als richtig beschrieben werden, die ihnen hilft, sich sicher und mit viel Freude im Wasser fortbewegen zu können. (Deutscher Schwimmverband, 3)

Trotzdem höre ich oft Eltern und Schwimmlehrer sagen: “Schwimm nicht wie ein Hund, mach die richtigen Schwimmbewegungen”. 

Wenn dein Kind beginnt, sich paddelnd durchs Wasser zu bewegen: 

Herzlichen Glückwunsch! Das ist eine Etappe des natürlichen Schwimmenlernens! 

➛ Hundepaddeln, Kraul- und Rückenschwimmen entsprechen unseren natürlichen Bewegungen und sind viel leichter zu lernen als das anspruchsvolle und schwierige Brustschwimmen.

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Unterschiede zwischen synchronen- und kreuzkoordinierten Bewegungsmustern

Irrtum Nr. 2:

Zum Schwimmen brauchst du Kraft und Kondition!

Das mag für das Wettkampfschwimmen gelten, aber nicht für das Anfängerschwimmen. 

Damit dein Kind effizient und mit Leichtigkeit längere Strecken von etwa 200 Metern zurücklegen kann, braucht es keine besondere Kraft oder Kondition. Es muss auch nicht andauernd üben, bis es diese Strecke endlich schafft. 

Ich möchte dir von Theo erzählen, der bei mir im Kurs war. Bis auf ein paar Ausnahmen, bei denen er mit seinen Eltern in einem großen Schwimmbad war, schwamm, spielte und forschte er bei mir im warmen Bewegungsbecken.

Bahnenschwimmen? Fehlanzeige. 

Mit 7 Jahren wollte er unbedingt segeln lernen (die Eltern waren begeisterte Segler) und brauchte dafür ein Schwimmabzeichen in Bronze. 

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Wenn die Kinder in unseren Kursen im Wasser spielen und wir aufmerksam hinsehen, erfahren wir, was sie schon können.

Auch, wie sicher und vielfältig sie sich im Wasser bewegen. Ganz ohne Prüfung. 

Aber für das Segeln musste nun das Abzeichen her, damit er in das Boot durfte.

Obwohl ich in meinen Kursen keine Abzeichen abnehme, machte ich bei Theo eine Ausnahme.

Ich traf mich mit ihm und seinen Eltern in einem geeigneten Schwimmbad mit ausreichender Wassertiefe und einer 25 Meter Bahn. Theo war bis zu diesem Zeitpunkt noch nie in so einem großen Schwimmbecken gewesen. 

Ein Sprung ins Wasser, 200 Meter Schwimmen sowie Tieftauchen und ein Sprung vom Startblock: das waren die Herausforderungen, die es für ihn zu bewältigen galt. 

Theo begann mit dem Schwimmen. Nachdem 200 Meter geschafft waren, war er ziemlich enttäuscht, dass es schon zu Ende war.

Spontan hängte er noch weitere 150 Meter dran. Noch nie in seinem Leben war er auch nur annähernd eine solch weite Strecke geschwommen.

Dafür musste er sich nicht quälen, er schwamm mit Freude und Leichtigkeit. Auch war er nicht außer Atem, hatte zu jeder Zeit die Kontrolle und war kraftsparend unterwegs, als wäre er im Wasser aufgewachsen. 

Wie hatte er das bloß gemacht?

Theo hatte beim Spielen im Bewegungsbecken in aller Ruhe geforscht und gelernt, wie er physikalische Eigenschaften des Wassers, wie den Auftrieb, für sich ausnutzen kann. Wie er seine Atmung kontrolliert und die Orientierung behält.

➛ Um auch längere Distanzen zu bewältigen, brauchen Kinder anstatt Kraft und Kondition: ein gutes Wassergefühl und vielseitige Fähigkeiten beim Gleiten, Auftreiben und Atmen.

Mit Leichtigkeit im Wasser

Irrtum Nr. 3:

Unter Wasser muss der Mund geschlossen und die Nase zugehalten werden!

Kennst du dieses Kribbeln, wenn dir beim Tauchen Wasser in die Nase läuft? Kein besonders angenehmes Gefühl, oder? 

Wie kannst du das verhindern? Die Nase mit der Hand zuhalten?

Oft wird Kindern schon in der Badewanne beigebracht, dass sie sich die Nase mit den Fingern zuhalten sollen.

Doch das ist gar nicht nötig und kann schnell zur Gewohnheit werden. Oft brauchen die Kinder eine sehr lange Zeit, um sich dies wieder abzugewöhnen. 

Damit dein Kind vielfältig und sicher im Wasser unterwegs sein kann, braucht es beide Hände.

Wenn sich dein Kind im eigenen Tempo mit dem Wasser vertraut macht, wird es lernen, die Atmung zu kontrollieren. 

Was heißt das? 

Es wird unter Wasser die Atmung anhalten oder durch den Mund und die Nase ausatmen können. Dafür muss logischerweise der Mund unter Wasser geöffnet werden und die Nase frei sein.

Alle, die gelernt haben, im Wasser durch Mund und Nase auszuatmen, werden keine Schwierigkeiten mit Verschlucken oder Wasser in der Nase beim Schwimmen, Springen und Tauchen haben. 

So kann dein Kind lernen, noch sicherer zu schwimmen (Übrigens: Warum Taucherbrillen verhindern, dass dein Kind seine Atmung kontrollieren kann, kannst du hier lesen).

Dennoch kann es natürlich trotzdem immer mal wieder vorkommen, dass sich dein Kind verschluckt oder Wasser in die Nase kommt.  Mir ist gerade vor ein paar Tagen eine riesige Welle in meine Nase geschwappt, als ein Junge neben mir ins Wasser sprang.

Sowas kommt vor.

Wichtig ist, dass dein Kind lernt, ruhig zu bleiben und das Wasser einfach wieder auszuschnauben.

➛ Kinder lernen am besten ihre Atmung zu kontrollieren und zu verhindern, dass Wasser in die Nase läuft, wenn du auf diesen gut gemeinten Tip verzichtest.

Junge taucht mit geschlossenen Augen und hält sich die Nase zu

Irrtum Nr. 4:

Beim Schwimmen muss dein Kopf immer über Wasser bleiben!

“Nimm deinen Kopf hoch. Nicht tauchen, du sollst richtig schwimmen”. 

Wie oft habe ich diesen Satz im Wasser schon gehört. Eltern kommen verzweifelt zu mir, da ihr Kind mit großer Freude quer durch das Becken taucht, den Kopf aber nicht an der Oberfläche des Wasser halten will. 

Es gibt wirklich sehr wasserfreudige Kinder, die in der Badewanne oder beim Schwimmen die ganze Zeit mit dem Kopf unter Wasser sind. Die Eltern fragen sich schon, ob ihr Kind Kiemen hätte. 

Der Anblick von jüngeren Kindern, die ihren Kopf im Wasser eintauchen, beunruhigt verständlicherweise den einen oder anderen Erwachsenen. 

Aber: Schwimmenlernen beginnt in der Regel unter Wasser. 

Im Grunde genommen ist es sogar leichter zu schwimmen, wenn der Kopf eingetaucht ist. 

Warum ist das so?

Der Kopf von Kindern ist im Verhältnis zur Körperlänge/ zum Körpergewicht viel größer und schwerer als bei Erwachsenen. Für dein Kind ist es also leichter, beim Schwimmen den Kopf ins Wasser einzutauchen und nicht mühselig über Wasser zu halten. 

Hebt dein Kind den Kopf aus dem Wasser, verändert sich die Körperlage in eine eher aufgerichtete Position, was das Vorankommen erschwert. 

Auf alle Körperteile, die ins Wasser eingetaucht sind, wirkt der Auftrieb der Schwerkraft entgegen. Außerhalb des Wassers wirkt die Schwerkraft allein. 

Vielleicht hält es sich beim Luftholen am Beckenrand fest oder hebt während des Schwimmens den Kopf aus dem Wasser, atmet kurz und taucht wieder ein. So machen das übrigens auch die Sportschwimmer beim Brust-, Kraul- und Delfinschwimmen. 

Mach dir bewusst, dass für das sichere Schwimmenlernen folgende Punkte entscheidend sind:

  • Dass dein Kind jederzeit atmen kann, wenn es Luft braucht, 
  • Distanzen im Wasser realistisch beurteilen und
  • seine eigenen Fähigkeiten einschätzen kann.

Du schüttelst jetzt den Kopf, denn dein Kind würde niemals freiwillig tauchen?

Kinder sind sehr unterschiedlich. Nicht jedes Kind ist von Beginn an so wasserfreudig. Manche schrecken bei jedem Spritzer zusammen und Haarewaschen ist eine Tortur für sie.

Um zu verhindern, dass der Kopf mit Wasser in Berührung kommt, würden sie alles tun. Aber natürlich gibt es auch ganz viele Kinder, die irgendwo dazwischen liegen.

Fakt ist jedoch: Wenn dein Kind sich zwar im Wasser fortbewegen, aber nicht tauchen mag oder kann, ist es noch kein sicherer Schwimmer. Selbst dann nicht, wenn es 30 Minuten lang mit dem Kopf über Wasser schwimmt.

Du fragst dich, ob dein Kind überhaupt jemals schwimmen lernen wird, wenn es doch partout nicht tauchen mag?

Die Antwort wird dich erleichtern: Ja.

Gib deinem Kind die Zeit, die es braucht und schaffe Möglichkeiten, damit es sich mit dem Wasser vertraut machen kann.

➛ Kinder müssen beim Schwimmen nicht den Kopf aus dem Wasser halten. Sie müssen jederzeit atmen können, wenn sie Luft brauchen.

Zu Hause sanft mit dem Wasser vertraut werden und später mit Freude und Gelassenheit schwimmen lernen?

Wie das geht, verrate ich dir in meinem kostenlosen Online-Minikurs:

„Schwimmen lernen beginnt daheim“

Lerne, wie du dein Kind bereits bei dir zu Hause auf seinem Weg zum sicheren Schwimmer achtsam begleiten kannst.

Mit einfachen Mitteln und ohne Geld ausgeben zu müssen.

Irrtum Nr. 5:

Beim Schwimmenlernen braucht man Schwimmflügel!

Auftriebshilfen wie Schwimmflügel und- gurte gehören für viele zum Schwimmenlernen einfach dazu. 

Aber Vorsicht! Schwimmhilfen vermitteln dir und deinem Kind eine Sicherheit im Wasser, die eine verhängnisvolle Fehleinschätzung sein kann. Denn sie ermöglichen es deinem Kind, Dinge zu tun, die es ohne die Hilfen noch gar nicht könnte oder wagen würde. 

Auch wird dein Kind daran gehindert wahrzunehmen, was es selbst, ohne die Schwimmflügel, noch überhaupt nicht kann. Könnte sich dein Kind selbst retten, falls es durch den Schwimmring rutscht oder eine Schwimmhilfe defekt ist? 

Und es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt.

Schwimmflügel & Co wirken sich negativ auf das Schwimmenlernen aus.

Denn dein Kind wird ebenfalls daran gehindert, den Auftrieb des Wassers bewusst wahrzunehmen.

Zu lernen, sich vom Wasser tragen lassen ist aber einer der wichtigsten und eindrücklichsten Momente auf dem Weg zum sicheren Schwimmer.

Dies ist gerade auch aus dem Aspekt der Wassersicherheit enorm wichtig für dein Kind.

➛ Schwimmflügel verhindern das Lernen. Dein Kind kann ohne Auftriebshilfen sicher schwimmen lernen.

Beim Schwimmenlernen die Schwimmflügel besser von Anfang an weg lassen

Irrtum Nr. 6:

Mit dem Seepferdchen ist dein Kind ein sicherer Schwimmer!

Die Prüfungsbedingungen für die Schwimmabzeichen in Deutschland wurden in diesem Jahr verschärft. (1)

Dennoch gilt immer noch:  Das Seepferchen-Abzeichen ist kein Garant dafür, dass dein Kind sicher schwimmen kann.

Viele Eltern messen dem Seepferdchen eine viel zu hohe Bedeutung bei. Schwimmabzeichen sagen nur bedingt etwas über die Wassersicherheit deines Kindes aus.

Verlass dich niemals auf Abzeichen und lass dein Kind niemals aus den Augen.

➛ Vorsicht! Kinder sind mit dem Erwerb des Seepferdchen-Abzeichens noch lange keine sicheren Schwimmer!

Irrtum Nr. 7:

Kinder, die früher am Babyschwimmen teilgenommen haben, lernen schneller schwimmen

Der Begriff Babyschwimmen ist etwas irreführend, denn dabei geht es nicht ja nicht darum, dass dein Baby bereits schwimmen lernt.

Vielmehr soll hier der Spaß und die Wassergewöhnung an erster Stelle stehen. Babyschwimmen ist nicht gleich Babyschwimmen. Es gibt unterschiedliche Konzepte und Programme.

In einigen Kursen werden die Babys getaucht, in anderen nicht. Wenn du mit deinem Baby an einem 10-stündigen Babyschwimmkurs teilgenommen hast, hat das aus meinen Beobachtungen keinen Einfluss darauf, ob dein Kind mit sechs Jahren schneller schwimmen lernen wird.

Viel entscheidender ist, deinem Kind Möglichkeiten zum Entdecken des Wassers anzubieten und regelmäßig ein geeignetes Schwimmbad zu besuchen.

Ich plädiere dafür, mit dem ersten Schwimmbadbesuch abzuwarten, dann aber dabei zu bleiben und im Idealfall einmal in der Woche ins Schwimmbad zu gehen.

So kann sich dein Kind Schritt für Schritt mit dem Wasser vertraut machen. Exklusive Familienzeit inklusive!

Wie du schon oben erfahren hast, kommt es nicht darauf an, dass dein Kind möglichst schnell schwimmen lernt. Jedes Kind hat individuelle Vorlieben und Interessen. Der Weg ist das Ziel.

➛ Lass dir Zeit mit dem ersten Schwimmbadbesuch. Schon zu Hause kann dein Baby in vertrauter Umgebung seine ersten Erfahrungen mit dem Wasser sammeln und sich in seinem Tempo mit diesem besonderen Element vertraut machen.

Wenn du erfahren möchtest, wie du dein Baby oder Kleinkind schon bei dir zu Hause sanft mit dem Wasser vertraut machen kannst, dann hol dir meinen kostenlosen Online-Minikurs „Schwimmen lernen beginnt daheim“.

Irrtum Nr. 8:

Eltern stören nur beim Schwimmkurs!

Schwimmkurse für Kinder ab vier Jahren finden in der Regel ohne Eltern statt. In einigen Fällen dürfen sie vom Beckenrand aus zuschauen, in anderen warten die Eltern draußen. 

Manchmal sind die Eltern selbst der Meinung, dass es besser wäre, wenn sie nicht dabei wären. “Bei mir hört sie ja eh nicht und macht was sie will”.

Andererseits behaupten auch einige Schwimmlehrer, dass die Eltern nur stören und die Kinder besser schwimmen lernen würden, wenn die Eltern nicht dabei wären. Sie seien schließlich nicht die Experten auf diesem Gebiet. 

Ja, das stimmt. Aber du bist der Experte für dein Kind!

Was dein Kind beim Schwimmenlernen braucht, ist Sicherheit durch eine vertraute Person, die es liebevoll im Wasser begleitet. Dich!

Vielleicht denkst du jetzt: das wollte ich aber vermeiden. Ich will gar nicht so gerne ins Wasser! 

Weil Schwimmbäder nicht zu deinen Lieblingsorten zählen, du dich nicht gerne in Badekleidung zeigst und der Schwimmkurs nicht zu deinen schönsten Kindheitserinnerungen gehört?

Was lernst du über dein Kind, wenn du es im Wasser begleitest?

  • Du weisst immer darüber Bescheid, womit sich dein Kind gerade beschäftigt und was es kann
  • du kannst die Fähigkeiten deines Kindes besser einschätzen und weißt auch, inwieweit dein Kind dies selbst schon kann
  • von Experten lernst du, was du über das Schwimmenlernen deines Kindes wissen solltest und erhältst direkte Unterstützung (wahrscheinlich hast du ja selbst noch ganz anders schwimmen gelernt)
  • und das allerwichtigste ist die gemeinsame Zeit, die ihr im Wasser verbringen dürft. Du gibst deinem Kind die Sicherheit, die es braucht, um sich mit Freude auf das Abenteuer Wasser und Schwimmenlernen einzulassen

➛ Lass dir dieses besondere, gemeinsame Erlebnis mit deinem Kind nicht entgehen. Anstatt dein Kind allein in den Schwimmkurs zu schicken, komm mit ins Wasser und lass dich von Experten dabei begleiten.

Beim Schwimmenlernen des eigenen Kindes dabei zu sein, ist ein Geschenk

Irrtum Nr. 9:

Ein einziger Schwimmkurs reicht zum sicheren Schwimmenlernen locker aus!

Um was geht es eigentlich beim Schwimmenlernen? Soll dein Kind sich über Wasser halten können? Ein Schwimmabzeichen haben? Eine Bahn schwimmen können?

Oder geht es darum, dass dein Kind wirklich sicher im Wasser ist? Sich aus unvorhersehbaren Situationen retten kann, ohne in Panik zu geraten? 

Ist es nicht wichtig, dass es diese Fähigkeiten wirklich aus dem Effeff beherrscht? Auch in einem Jahr noch?

Wie lange brauchen Kinder zum Schwimmenlernen? Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Bei deinem Kind sind dies unter anderem sein Entwicklungsstand, Bewegungserfahrung, Lernfähigkeit, Wassererfahrung, Motivation und Bewegungsfreude.

Auf der Seite des Schwimmkurses spielen die Wassertemperatur, der Aufbau, die pädagogische Ausbildung des Schwimmlehrers, die Beziehung zwischen Kind und Schwimmlehrer und die Größe der Lerngruppe eine Rolle.

Du merkst schon: die Liste ist lang. 

Aber ganz entscheidend ist auch, was Du unter “Schwimmenlernen” verstehst und was dein Kind lernen soll.

Kinder können unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb einer Woche das Seepferdchen machen. Das geht. Aber sind sie dann sichere Schwimmer? Nein.

Schauen wir mal in die Schweiz. Dort besteht das Anfängerschwimmen aus 7 Modulen. Jedes Modul umfasst 10-16 Lektionen. 

Nachdem sie all diese vielen Elemente durchlaufen haben, sind die Kinder wassergewöhnt, wasserkompetent und können drei Schwimmarten in einer Anfängerform schwimmen. 

Bei regelmäßiger Teilnahme und durchschnittlicher Lerngeschwindigkeit schließen die Kinder nach 3 bis 4 Jahren ihre Schwimmausbildung mit dem Wassersicherheits-Check ab. (4)

Sicheres Schwimmenlernen braucht also Zeit. Denk mal daran, wie lange es braucht, um ein Instrument spielen zu lernen. Im Wasser ist es nicht anders.

Was sind also die Punkte, die dein Kind können sollte, damit es als sicherer Schwimmer bezeichnet werden kann?

  • sicheres Orientieren unter Wasser mit geöffneten Augen (natürlich ohne Schwimmbrille)
  • Drehen in alle möglichen Körperpositionen im Wasser (bei einem Sturz ins Wasser landest du selten direkt in der perfekten Schwimmposition)
  • in Rückenlage genau so sicher wie in Bauchlage sein und jeder Zeit in die andere Position wechseln können
  • weiter zu schwimmen, auch wenn es Wasser verschluckt hat. Es muss nicht anhalten
  • Springen in vielen Variationen mit vollständigem Eintauchen
  • sich entspannt aufs Wasser legen und sich auftreiben lassen
  • unter Matten durchtauchen
  • Rollen im und ins Wasser, ohne Wasser in die Nase zu bekommen
  • in Kleidung schwimmen
  • eine Viertelstunde ohne Pause und ohne Hilfestellung im nicht stehtiefen Wasser sicher schwimmen
  • gutes Einschätzungsvermögen der eigenen Fähigkeiten

Sicheres Schwimmenlernen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wenn du möchtest, dass dein Kind wirklich sicher im Wasser und auf schwierige Situationen bestmöglich vorbereitet ist, reicht ein einziger 15-stündiger Schwimmkurs einfach nicht aus.

Irrtum Nr. 10:

Ein Schwimmkurs muss keinen Spaß machen, da muss man durch!

Immer weniger Kinder in Deutschland können schwimmen (2). Schwimmen lernen ist wichtig und kann lebensrettend sein.

Aber nicht jedes Kind schreit “Hurra”, wenn es zum Schwimmkurs angemeldet wird. Andere wollen nach einigen Stunden gar nicht mehr hin. 

“Das muss er doch abkönnen” oder auch “Schwimmen lernen ist wichtig. Er muss da hin, ob er will oder nicht!”.

Das sind nur einige der Aussagen, die ich schon gehört habe.  

Aus Gesprächen mit zahlreichen Eltern weiß ich, dass für viele das Schwimmenlernen nicht zu den schönsten Kindheitserinnerungen gehört. 

Geschichten wie diese wurden mir schon oft erzählt:

“Ich schwamm gerne unter Wasser, hatte aber Angst vorm Tieftauchen. Das hatte mir aber noch für mein Bronze-Abzeichen gefehlt. Meine Mutter versprach mir dann, dass ich nicht mehr zum Schwimmkurs müsse, wenn ich das Abzeichen hätte.

Ich war eigentlich immer gerne im Wasser, aber ich hasste den Schwimmkurs. Der strenge Ton des Schwimmlehrers, das kalte Wasser, der Druck und die Angst, Übungen machen zu müssen, die ich mich noch nicht traute, waren für mich grausam.

Also nahm ich bei der nächsten Schwimmstunde allen Mut zusammen und tauchte 2 Meter in die Tiefe. Ich dachte, ich würde ertrinken! Ich hatte Angst. Tauchte weiter, weil ich niemals wieder zu diesem Kurs wollte.

Und tatsächlich erwischte ich den Ring. Was für ein Glück! Seitdem bin ich nie mehr getaucht!”

Nach manchen Schwimmkursen verlieren einige Kinder die Freude am Wasser für ihr ganzes Leben.
Ist es das, was wir erreichen wollen?

Bei jeder Lernerfahrung speichert unserer Gehirn die damit verbundenen Emotionen mit ab. Die positiven, aber auch die negativen.

Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass dein Kind schwimmen lernt. Die entscheidende Frage ist, wie und mit welcher Begeisterung und Freude dein Kind dies tut.

Druck, Zwang und Angst sind keine guten Partner beim Schwimmenlernen. Listige Tricks, das Vergleichen mit anderen und gut gemeinte Motivationen übrigens auch nicht. 

➛  Schwimmenlernen ist wichtig. Aber unbedingt ohne Druck, Angst und Tränen. Zwinge dein Kind nicht zu Dingen, die es nicht tun möchte.

Finde den passenden Ort, damit dein Kind sicher schwimmen lernen kann. Schenkst du deinem Kind Geduld und Gelassenheit, dann wird es zum sicheren Schwimmer.

Mit Freude im Schwimmkurs

Irrtum Nr. 11:

Zum Schwimmenlernen muss man die Schwimmbewegungen unterrichtet bekommen

Weitgehend unbekannt ist, dass wir Menschen schwimmen lernen können, ohne dies gelehrt zu bekommen.

Dein Kind kann all die Dinge lernen, die ich dir oben in dem Kasten aufgeführt habe, ohne dass es ihm gezeigt wird und ohne, dass es jemand anderen nachahmt.

Ist es nicht großartig, was Ungeahntes in uns steckt? 

Mich berührt es jedes Mal sehr, wenn Kinder in meinen Gruppen über die Vertrautheit, Freude und Neugierde beginnen, sich im Wasser natürlich fortzubewegen.

Seit knapp 20 Jahren schon biete ich den Kindern die Freiheit, sich in einer vorbereiteten Umgebung auf die Forschungsreise Schwimmen lernen zu begeben. 

Selbstbestimmt und im eigenen Tempo machen sie sich mit dem Wasser vertraut. Schritt für Schritt lernen sie die Basiskompetenzen des Schwimmens.

Können Sie dann Brustschwimmen? Noch nicht, aber wie du oben bereits gelesen hast, ist das Erlernen einer bestimmten Schwimmtechnik nicht erforderlich, um souverän im Wasser zu sein. 

Hat dein Kind alle Etappen auf dem Weg zum sicheren Schwimmer absolviert, kann es Schwimmarten wie Kraul- oder Brustschwimmen immer noch lernen. Alles, was es dafür braucht, hat es sich bereits erarbeitet. 

Wenn Kinder aus meinen Kursen zum Schulschwimmen kommen, sind die Lehrer oft von ihren vielseitigen Fähigkeiten überrascht.

“Ich habe seinerzeits allein schwimmen gelernt. Das Wasser reichte mir stellenweise bis zur Brust, stellenweise bis zum Kopf. Ich ging ganz langsam vorwärts und habe mich ein wenig tragen lassen, und plötzlich lag ich oben, und ich ließ geschehen, wie es kommen wollte. Dann hatte ich das Gefühl: Jetzt ist es richtig. Ich wurd ganz allmählich sicherer und habe Bewegungen probiert, und so habe ich schwimmen gelernt.” (5)

➛ In uns stecken ungeahnte Fähigkeiten. Kinder können durch eigenes Forschen und Probieren sicher Schwimmen lernen, ohne Schwimmtechniken gelehrt zu bekommen.

Quellenangabe:

(1) Berufsverband zur Förderung der Schwimmausbildung, 2020, Deutsche Prüfungsordnung Schwimmen https://bfs-schwimmausbildung.de/fileadmin/user_upload/Downloadbereich/20200101_DPO_Broschuere.pdf aufgerufen am 19.06.2020

(2) DLRG, 2017 https://www.dlrg.de/fileadmin/user_upload/DLRG.de/Fuer-Mitglieder/AA_DLRG2019/die_dlrg/Presse/Schwimmfaehigkeit/dlrg-presse-forsa-2017.pdf aufgerufen am 22.07.2020

(3) Deutscher Schwimmverband e.V. Jugend (Hrsg.) Schwimmen lernen – Handbuch zur Kursleiterausbildung, 2006

(4) Swimsports https://www.swimsports.ch/sites/swimsports.ch/files/downloads/informationen_zu_den_grundlagentests.pdf, aufgerufen 22.07.2020

(5) Zitat von „Herr P.“ aus: Jacoby, Heinrich, “Jenseits von Begabt und Unbegabt”, 2004

verfasst von

verfasst von

Anja Kerkow

Ich bin ehemalige Leistungsschwimmerin, Schwimmlehrerin, Motopädagogin und in Ausbildung zur Pikler-Pädagogin. Mein Herzensprojekt ist die Schwimmschule ROCHENKINDER, die ich 2003 in Berlin gründete. Seitdem begleite ich Woche für Woche Kinder mit ihren Eltern achtsam auf ihrem Weg zum sicheren Schwimmen. Mit meinen Kindern lebe ich in einem 400 Seelen-Dorf im Hohen Fläming in Brandenburg.  

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